Böhm-Chronik



Grundherrschaft Friedland


Grundherrschaft in der Gegend von Friedland ab 1350

von Ulrich Ilchmann

Die Lebensbedingungen der Bauern und Bürger in der Gegend von Friedland hingen, wie überall im Mittelalter und noch Jahrhunderte danach, von den unterschiedlichen adligen und kirchlichen Grundherrschaften ab. Es gibt keine Urkunden aus der ersten Zeit der Besiedlung des unbewohnten böhmischen/schlesischen Grenzwaldes in dieser Gegend. Allerdings wird ab dem 12. Jahrhundert ein Herr (Ritter) Wladyke Bohuslav Sezema mit Herrensitz in der Gegend von Starkstadt oder Ryzmburk (Riesenburg) in Böhmen genannt. Dieser teilt später sein Lehen unter seinen drei Söhnen auf. Ein Sohn, Rubín, erhält sein nördliches Gebiet. Mit der Eintragung eines Mönches aus Politz vom 5. März 1255, auf dem Deckel der Pergamenthandschrift ‚Cantica canticorum‘, gibt es die erste schriftliche Überlieferung der nördlichen und nordwestlichen Grenzziehung des Politzer Klosterbesitzes zum Gebiet des Rubín. Dadurch kennen wir die südliche Grenze seines Gebietes und wissen, dass die späteren Wiesener und Adersbacher Herrschaften dazu gehörten. Die nördliche Grenze seines Lehen ist darin natürlich nicht beschrieben, daher bleibt die zwar sehr naheliegende, aber nicht belegte Gebietszugehörigkeit der Friedländer Gegend, weiterhin offen. Ein kleiner eigenständiger böhmischer Burgbezirk, zwischen dem schlesischen Herzogland und dem böhmischen Lehen des Ritter Rubin Sezema, ist ebenfalls möglich.

Jedenfalls hat, zuerst ausgehend von den Gebieten des Klosters Brevnov (bei Prag) um die Neugründungen Politz und Braunau, ab 1255 unter dem böhmischen König Ottokar II. (1253-1278) in kürzester Zeit eine gut organisierte Gründung von Dörfern und Marktflecken in den alten Grenzwäldern bis nach Schlesien stattgefunden. In den Gebieten der Brüder Sezema werden ca. zehn Jahre später nach diesem Vorbild, ebenso planvoll, neue Waldhufendörfer angelegt. Das gesamte Gebiet bis zur schlesischen Grenze, auch mit dem Gebiet um Friedland, wird ab 1260 bis 1300 mit den meisten Dörfern und Marktflecken ausgestattet sein. Da es sich um ein böhmisches Grenzgebiet zu den schlesischen Herzögen handelte, wurde es mit Burgen abgesichert. In der Gegend von Friedland wird die böhmische Freudenburg erbaut. Ihre schlesische Kontrahentin, die Burg Hornschloss ist ab 1292 belegt. Diese Burgen mit ihren Burgbezirken wurden als Lehen von den Herzögen oder Königen an Ritter überlassen. Diese Lehen konnten jederzeit auch wieder zurückgenommen werden. Erst später bilden sich auch für den Niederadel Erblehen mit daraus sich bildenden Familiendynastien heraus. Deshalb ist die Bezeichnung Grundherrschaft in den zeitlichen Anfängen immer erst eine nicht erbliche Lehnherrschaft. Für die Bauern hatte dieser formalrechtliche Aspekt bestimmt keinerlei Auswirkungen gehabt. Die Herren auf der Burg kamen und gingen und hatten jeweils Macht über sie.



Der Burgbezirk Freudenburg:

Der erste urkundliche Beleg für den Burgbezirk Freudenburg befindet sich im ältesten Glatzer Amtbuch oder Mannrechtsverhandlungen von 1346-1390. In diesem Protokollbuch des Rittergerichtes von Glatz lässt Hannus Wusthube sich mit der Eintragung vom 10.November 1350 die Sicherheiten seines Schuldners Mertin von Swenkinvelt bestätigen. Die Herrschaft Freudenstein liegt in dieser Zeit demnach immer noch im Amtsbezirk von Glatz:

„In dem vorgenantin Jar vnsirs Herrn an dem Mitwoch an zant Mertins obunt hot her Hannus Wusthube diruordirt vor eym geheytim dinge Sechs hundirt Schok vf hern Mertin von Swenkinvelt vnd vf sin gute czu Vreudinberg, das haus, Wernhersdorf, Geylnaw, Walthersdorf vnd vf dy stat czu Fridlant vnd als, das dorczu gehort, beyde Wesin vnd welde. Geczeug her Hensil von der Bele, Otte Ratolt.“

Frei übersetzt: „In dem vorgenannten Jahr unseres Herrn an dem Mittwoch nach Sankt Martin hat Herr Hannus Wusthube geliehen 600 Schock auf die Sicherheit von Herrn Mertin von Swenkinvelt sein Gut zur Freudenburg und den Dörfern Wernersdorf, Göhlenau, Waltersdorf und auf die Stadt zu Friedland und auf das dazugehörende Dorf [Altfriedland] und beider dazugehörenden Wiesen und Felder. Bezeugt: Herr Hensil von der Bele, Otte Ratolt“

Für das Jahr 1369 finden wir die Herrschaft Freudenburg aufgezählt bei der Bestätigung des Besitzes der Agnes, Witwe des schlesischen Herzogs Bolko II.(1326-1368), durch den böhmischen König und Reichskaiser Karl IV (1346-1378) dessen ursprünglicher Name Wenzel war:

„Wir Wenzlaw, von gottes gnaden konig zu Boheimb, markgraf zu Brandenburg und herzog zu Schlesein, bekennen und thun kundt offentlich mit diesem brieffe [...] Preczlauen von Pogrel, burggrafen von Freudenburg [...]“

Am 20.Mai 1388 gibt es einen neuen Nachweis, diesmal im Landbuch von Schweidnitz-Jauer, der die veränderten Besitzverhältnisse für die Herrschaft Freudenburg bezeugt:

„Wir Agnes von Gots gnaden etc. bekennen --, daz --- unsere getruwen Gunczel und Nickel von Seidelicz vom Lazan genant, etwenne hern Gunczels sone vom Lazan, von iren und irer unmundischen brudere wegin, -- habin -- vorkowft -- fur sechs hundert schok -- unseren getruwen hern Heinrichen von Rechinberg, hern Nickeln, Gunthern, Heinrichen und Clementen seinen sonen die festen Frewdenberg genant mit dem burgelehen, daz zu derselbin festen gehorit, mit dem markte Fredeland gelegin bey derselbin festen --, alz dieselbe festen und burglehen von dem obgenanten her Gunczeln irem vatere an sie sint komen --. Doch alzo bescheidenlich, daz die obgenanten her Heinrich von Rechinberg, her Nickel, Gunther, Heinrich und Clement seine sone und ire erben die vorgenanten festen und burglehen -- alle unsere lebetage habin -- sullen --, noch unserm tode, -- wenn unserer gnediger herre, herre Wenczlaw romis(cher) kunig -- und kunig zu Behemen dieselbe festen Frewdenberg -- adir seine erben -- wedirhabin wollen, so sullen die oftgenanten her Heinrich von Rechinberg, her Nickel, Gunther, Heinrich, Clement seine sone und ire erbin dieselbe festen -- kunigen zu Behemen fur sechs hundirt -- wedirgebin --, alz das ouch woluzsagit der brief und hantfesten, den vormals unserer gnediger herre, keysir Karl seliger dorobir hat gegebin --, Geben zu Sweidnicz noch Crists geburt dreyczenhundrit jar dornoch yn dem achtundachczigisten jare an der nehsten mittewoche fur der heiligin Dreyvaltikeit tag, dez sint geczeug unsere getruwen her Nickel von Czeiskberg, her Heidenreich von Tscherticz, her Ulrich Swob, Heinrich Kunczchein und Bernhardt Wiltberg brudere, Hannos Wasserrabe, Heinrich Bolcze und her Johannes Kolmas unser lantschreiber“

Nachfolgend die bekannten Ritter von dem Burgbezirk Freudenburg:

1350 Mertin von Swenkinvelt
1356 Hersko de Razdialowicz
1369 Preczlauen von Pogrel
? Gebrüder Gunczel und Nickel von Seidelicz vom Lasan
1388 Heinrich von Rechinberg


Über die nächsten Jahrzehnte sind keine Belege erhalten. Die Hussitenkriege und die danach schwierigen innerschlesischen Auseinandersetzungen haben viele Belege zerstört. In dieser Zeit wird und zwar 1483 auch die Burg Freudenburg selbst, wie auch ihre ursprüngliche Kontrahentin, Burg Hornschloß im Auftrag des ungarischen Königs und böhmischen Wahlkönig Matthias Corvinus (1458-1490) vom schlesischen Landeshauptmann Georg von Stein belagert und zerstört. Die beiden Burgbezirke werden der Herrschaft Fürstenstein zugeschlagen. Die Burg Fürstenstein selbst wurde ein Jahr vorher 1482 von Georg von Stein erobert. Er residierte als Landeshauptmann von Schweidnitz vom Fürstenstein aus. Da beide Burgen, Freudenburg und Hornschloß später keine strategische Bedeutung mehr erlangen, wurden sie nie wieder aufgebaut. In den Urkunden werden sie immerhin noch als ‚wüste Veste‘ auch weiterhin mit aufgezählt. Als Ruinen sind sie beide bis zum heutigen Tag erhalten geblieben.



Die Herrschaft Fürstenstein mit dem Burgbezirk Freudenburg
und die durch Erbteilung gebildete zeitlich begrenzte eigene Herrschaft Friedland:

Die Stadt Friedland wurde 1427 von den Hussiten zerstört und erst 1470 wieder neu gegründet. Wie wir aus der Urkunde von 1497 ersehen können, ist sie zunächst nur noch ein Dorf. Ab 1483 ist Friedland und ihre Dörfer dann definitiv mit dem Schicksal der Burg bzw. dem Schloss Fürstenstein eng verbunden.
Dem 30.März 1497, übergibt Wladislaus II. König von Böhmen und Ungarn das Schloss Fürstenstein mit Herrschaft an den böhmischen Kanzler Johann von Schellenberg gegen Erlegung eines Pfandschillings von 10.000 Schock böhmischer Groschen. Zu der Herrschaft Fürstenstein gehören auch die beiden Burgbezirke Freudenburg und Hornschloß:

„sloszes Furstenstain mit der stat Freyburg. Darunder gelegen, mit den dorffern Czirle, Polsnitz und Salzborn, Hornsperg. Unnser (des Königs) zurbrochner purgkstal und vesten mit den besatzten dorffern Weistritz, Preitenhain, Schenckendorff und Bertelsdorff mit Girszdorff, Doneraw und Remuswalde, als wusten dorffern, darzu auch unnser zerbrochen purgkstal und vesten Frewdenburgk mit disen dorffern Olberstorff, Walterstorf, Gersdorff, Smidesdorff, Ober- und Nider-Fridlant, Rosinaw, Geylnaw und das Newndorf mit dem fliess, dafur fliessende, dazu mit huenerzinsz mit allen und yglichen rechten, herlichaiten, gerechtigkaiten, geistlichen und werltlichen lehenschafften, aigenschafften und manschafften, obristen und nidersten gerichten, mewten, czellen, gleitten, straffen, robaten, hofarbeiten und geschossern, mit gelde-, traide-, huenner, ayr- und kese-jarczinsen, mit allen ackern, gearn und ungearn, wiszen, genosen, wonnen, weiden, wasserfliessen, wasserlewffen, pachen, vischereyen, teichen, teichstetten, molen, hamern, sagen, mit allerley oberstes und niders wildes geyagden, wiltpannen, vogelpannen, auch mit allerhannt pergkwerken ober und unnder der erden, kains ausgeslossen, sunst auch mit allen und yglichen zu- und eingehorungen, geniessen, nutzungen und erungen."

Zu der folgenden Liste ist schon jetzt anzumerken, dass ab 1509 bis auf eine kürzere Unterbrechung und zwar 1624-1649, die Grundherrschaft im Tal von Friedland einer Familiendynastie gehörte, den von Hochberg. Diese sind eine aus dem Gebiet der Markgrafen von Meißen seit dem 12.Jahrhundert nachgewiesene Adelsfamilie, die mit Ritter Kitzold von Hoberg bei Dippelsdorf im Kreis Löwenberg ab 1302 in Schlesien ansässig wird. Sein Urenkel Conrad von Hoberg aus Giersdorf, Kreis Hirschberg, übernimmt ab 1509 den Fürstenstein. Sie nennen sich zunächst Hoberg, später Hohberg und ab 1714 endgültig Hochberg. Der Pfandbesitz Fürstenstein, mit den Burgbezirken Freudenburg und Hornschloß, geht ab 1605 in erblichen Besitz der Familie Hohberg über. Ab 1847 durch Erbzufall des Fürstentums Pleß, Erhöhung der Familie Grafen von Hochberg zu Fürsten von Pleß:

1482-1484 Landeshauptmann Georg von Stein
1484-1497 Burghauptmann Friedrich von Hoberg
1497-1503 Johann von Schellenberg
1503-1509 Peter von Haugwitz
1509-1520 Conrad I. von Hoberg




Die Herrschaft Friedland bildet sich als eigene Grundherrschaft durch Erbteilung heraus

1520-1528 Hans von Hohberg, Sohn




Die Herrschaft Fürstenstein mit wieder integrierter Herrschaft Friedland

1528-1535 Christof von Hohberg, Bruder
1535-1548 Euphemia von Hohberg, Witwe
1548-1565 Conrad II. von Hohberg, Sohn
1565-1578 Catharina von Hohberg, Witwe
1578-1609 Conrad III. von Hohberg, Sohn



Eigenständige Herrschaft Friedland durch erneute Erbteilung

Ab 1613 durch Bau von Schloss und Gut Hof-Göhlenau auch Wohnsitz innerhalb der Herrschaft Friedland. (1838 wird das Schloss durch Brand zerstört und nicht wieder aufgebaut)

1609-1620 Dittrich von Hohberg, Sohn



Die Herrschaft Fürstenstein mit integrierter Herrschaft Friedland

1620-1624 Christof II. von Hohberg, Bruder



Herrschaft Friedland durch Verkauf

1624-1649 Dittrich von Peterswald auf Peterswald und Klinkenhaus



Die Herrschaft Fürstenstein mit Rückkauf der Herrschaft Friedland

1649-1669 Hans Heinrich I. von Hohberg, Vetter



Letzte eigenständige Herrschaft Friedland durch Erbteilung

1670-1700 Maximilian von Hohberg, Sohn



In die Herrschaft Fürstenstein bleibt von nun an die Herrschaft Friedland integriert

1700-1705 Marie Juliane von Hohberg, Witwe Hans Heinrich II. (Bruder)
1705-1742 Conrad Ernst Maximilian von Hochberg, Sohn
1742-1755 Heinrich Ludwig Carl von Hochberg, Sohn
1757-1758 Hans Heinrich IV. von Hochberg, Vetter
1762-1782 Hans Heinrich V. von Hochberg, Sohn
1789-1833 Hans Heinrich VI. von Hochberg, Sohn
1833-1855 Hans Heinrich X. von Hochberg und von Pleß, Sohn


Ab ca. 1852 endgültige Aufhebung der Erbuntertänigkeit der Bauern in der Herrschaft Fürstenstein



Anmerkung von Guenter Boehm:
1740 wird George Böhme (*1693 in Weissstein) als Kammerdiener und
1742 Georg Friedrich Böhm auf Schloss Fürstenstein erwähnt


Literatur
Häufler, Ludwig:
Die Geschichte der Grundherrschaft Waldenburg-Neuhaus, Breslau 1932

Jurek, Tomasz:
Landbuch ksiestw swidnickiego i jaworskiego [Landbuch der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer], Bd. 2: 1385–1395, (Poznanskie Towarzystwo Przyjaciól Nauk, Wydawnictwa Zródlowe Komisji Historycznej, 27), Poznan 2000.

Menzel, Beda Franz:
Die Geschichte des Braunauer Ländchens, in: Heimatkreis Braunau, Das Braunauer Land, Forchheim 1971

Volkmer, Franz / Hohaus, Wilhelm:
Ältestes Glatzer Amtsbuch oder Mannrechtsverhandlungen von 1346-1390, in Geschichtsquellen der Grafschaft Glatz Band V, Habelschwerdt 1891

Weigel, Karl:
Die Grafen von Hochberg vom Fürstenstein, Breslau 1896


Zurück zu