Böhm-Chronik



Wredesche Karten

Beitrag von Klaus E. Kunze




Die Kriegskarte von Schlesien, Maßstab 1:33333, aufgenommen von Carl Friedrich von Wrede, Glatz 1746-1753, in 195 Sektionen, Größe je 73x51 cm, mehrfache Handzeichnung, wird aufbewahrt in der Staatsbibliothek zu Berlin unter der Signatur Kart. N 15064.

Oberst von Wrede war am 20.11.1746 "von Friedrich dem Großen mit einer genauen Aufnahme der Schlesischen Lande entlang der Grenzen nach Österreich, Polen und Sachsen beauftragt worden...

Die Kartenaufnahme erfolgte in fünf Abschnitten während sieben Jahren im Maßstab 1:33333. Jede Kartensektion enthält auf der Randleiste oder Rückseite das Kataster der Kurmärkischen Kammer mit Angeben über Bewohner, Ortschaften und Bespannung. Die Karten waren ausschließlich für militärische Zwecke bestimmt und wurden im Siebenjährigen benutzt. Während die Militärstellen Kopien erhielten, war das hier [in Berlin] vorliegende Original für den persönlichen Gebrauch des Königs bestimmt und wurde in der Plankammer des Potsdamer Schlosses aufbewahrt. Die fünf Bände des Werkes sind in rotes Saffianleder gebunden und mit Goldpressung der Initialen F. R. (Fridericus Rex) und der Krone verziert" [zitiert aus: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Kostbare Handschriften und Drucke, Ausstellungskatalog, Wiesbaden 1978, S. 130].

Wegen der im Vergleich zur Homann-Karte (Atlas Silesiae 1738) ausführlicheren Deutlichkeit der Wegführungen, wegen der anschaulicheren Hervorhebung der Geländemerkmale und vor allem wegen des vollständigeren Dorfbildes und wegen vieler anderer Vorzüge ist die Wrede-Karte eine unschätzbar wertvolle Quelle für jeden Orts- und Familiengeschichtsforscher.

Theodor Maschke, Der Quellenwert der staatlichen Landesvermessungen Friedrichs des Großen für die Landes- und Siedlungsgeschichte des altpreußischen Schlesiens (Schlesische Geschichtsblätter 1928, Heft 3, S. 49-59), nennt die Karte mit Recht ein "monumentum aere perennius"! Der Fortschritt "liegt in folgender Richtung: Genaue Kenntnis der Zahl der Siedlungseinheiten und ihrer Verteilung, der Ausdehnung der Stadtgebiete und Dorfstellen sowie deren Umrißformen und Planstruktur, Kenntnis des Anteils von Wald, offener Flur, Sumpf und Niederungsgebieten am Gesamtbilde der Landschaft, der physiographischen Beschaffenheit der Talauen" (S.55).

Das Wredesche Kartenwerk wurde an Exaktheit erst von den ebenfalls in der Staatsbibliothek Berlin aufbewahrten Preußischen Urmeßtischblättern (Gradabteilungskarten im Maßstab 1:25000) von 1823 bis 1831 übertroffen. Die Kartenabteilung der Staatsbibliothek Berlin fertigt gegen mäßige Gebühr Farbnegative oder -diapositive in gewünschten Ausschnitten (bis zur Vergrößerung eines einzelnen Dorfbildes) an. Die Karten und Kartenwerke dürfen während der Öffnungszeiten unter Aufsicht eingesehen und in Ruhe betrachtet werden; ausgeliehen wird selbstverständlich nichts!


Zurück zur Homepage